Die neue Heilmittel-Richtlinie in der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Podologie und Ernährungstherapie

Der G-BA (Gemeinsame Bundesausschuss) hat die Neufassung der Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL) für Praxen der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie beschlossen, die ab Oktober 2020 in Kraft treten wird. Hierbei wurden die allgemeinen Rahmenbedingungen bei der Verordnung von Heilmitteln überarbeitet.

Diese Änderungen ziehen noch weitere Neuerungen nach sich:

  • Es wird ein neues Verordnungsmuster für alle Heilmittelbereiche geben.
  • Eine neue Blankoverordnung wird eingeführt. Eine Blankoverordnung ist eine ärztliche Heilmittel-Verordnung mit Diagnose und Indikation zur Heilmitteltherapie, bei der der Therapeut Art (Heilmittel) und Intensität (Dauer und Frequenz) der Therapie selbst bestimmt. Sie soll ein erster Schritt der Therapeuten in Richtung Direktzugang sein. Details hierzu müssen aber noch zwischen GKV-Spitzenverband und den Heilmittelverbänden vereinbart werden.
  • Bis zum Inkrafttreten vergeht noch einige Zeit, trotzdem sind viele Praxisinhaber neugierig. Deshalb haben wir weiter unten schon einmal vorab die brennendsten Fragen für Sie beantwortet.
  • Damit Sie eine faire Chance haben, diese Änderungen rechtzeitig in den Praxisalltag zu integrieren, können Sie hier bereits unsere neue Auflage der Heilmittel-Richtlinie und des Heilmittel-Katalogs (HMK) vorbestellen.
  • Zum Start der neuen Heilmittel-Richtlinie wird selbstverständlich auch eine aktuelle Version unserer beliebten HMK-App erscheinen.

Heilmittel-Richtlinie für zahnärztliche Verordnungen

Die Heilmittel-Richtlinie für Zahnärzte regelt die Versorgung von Patienten mit kassenzahnärztlichen Heilmittel-Verordnungen für Physiotherapie und Logopädie. Im Zuge der Anpassungen der „normalen“ Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL) wird auch diese Richtlinie überarbeitet. Momentan laufen bis April noch die Auswertungen des Stellungnahmeverfahrens beim G-BA. Mit einem Beschluss wird Ende Mai gerechnet. Unter www.up-aktuell.de halten wir Sie auch hier immer auf dem Laufenden.

FAQs : Was ändert sich mit den Anpassungen der Heilmittel-Richtlinie ab Oktober 2020

Die Einführung der neuen Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL) wirft eine Reihe von Fragen auf. Wir haben einmal die am häufigsten gestellten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.

Die Heilmittel-Richtlinie für Praxen der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie inklusive Heilmittel-Katalog und Anlagen, nach Beschluss vom 22. November 2019, tritt am 1. Oktober 2020 in Kraft. Bis zu diesem Stichtag gelten die altbekannten Regelungen.

Eine Ausnahme bilden die Änderungen zur Verordnung von Heilmitteln bei Lipödem. Diese sind bereits, zum Wohle der Patientenversorgung, am 01.01.2020 in Kraft getreten.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die neu gefasste Richtlinie bereits zum Nachlesen auf seiner Homepage veröffentlicht. Diese finden Sie hier.

Das stimmt zum Teil. Bisher soll eine Verordnung innerhalb von 14 Kalendertagen (Podologie und Ernährungstherapie 28 Tage) begonnen werden. Alternativ können die Ärzte den spätesten Behandlungsbeginn mit einem konkreten Datum benennen. Der späteste Behandlungsbeginn wird zukünftig für alle Heilmittelbereiche auf 28 Kalendertage festgelegt. Aber der Arzt hat die Möglichkeit einen sogenannten “dringlichen Behandlungsbedarf « anzukreuzen. Dann muss die Behandlung innerhalb von 14 Tagen begonnen werden (§ 13).

Aktuell gibt es den Regelfall, mit Erst- und Folgeverordungen mit gegebenenfalls anschließender Verordnung außerhalb des Regelfalls. In Zukunft wird es den »Verordnungsfall« geben. Ein Verordnungsfall umfasst alle Heilmittelbehandlungen für eine Patientin oder einen Patienten auf Grund derselben Diagnose (d. h. die ersten drei Stellen des ICD-10-GM-Codes sind identisch) und derselben Diagnosegruppe nach Heilmittel-Katalog. Wegen des Wegfalls der Verordnung außerhalb des Regelfalls, entfällt auch das zugehörige Genehmigungsverfahren (§7).

Nein, dem ist nicht so. Wenn die orientierende Behandlungsmenge ausgeschöpft ist, gibt es auch weiterhin die Möglichkeit, aus medizinischen Gründen Heilmittel zu verordnen. Diese medizinische Begründung muss in den ärztlichen Akten dokumentiert sein (§7).

Auch mit den Änderungen an der Heilmittel-Richtlinie für Praxen der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie wird es weiterhin Diagnosen mit besonderem Verordnungsbedarf oder langfristigen Heilmittelbedarf geben.

Es gibt seit Jahren Streit zwischen GKV und KBV, ob ein Arztwechsel einen neuen Regelfall auslöst oder nicht. Manchmal werden Therapeuten deswegen ungerechtfertigt Abrechnungen gekürzt. In Zukunft ist klargestellt: Der Verordnungsfall und die orientierende Behandlungsmenge beziehen sich auf die jeweils verordnende Ärztin oder den jeweils verordnenden Arzt (§ 7). Neuer Arzt bedeutet dann auch immer neuer Verordnungsfall.

Ja. Mit dem Start der Neufassung der Heilmittel-Richtlinie für Praxen der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie im Oktober 2020 wird es auch ein neues Heilmittel-Verordnungs-Formular geben. Das hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) jetzt samt Detailbeschreibungen veröffentlicht, damit u.a. die Arztsoftwaresysteme rechtzeitig angepasst werden können. Weiterführende Informationen dazu lesen Sie auf up-aktuell.de

Die auffälligste Änderung ist die Zusammenführung aller Heilmittelbereiche auf ein gemeinsames Verordnungsformular. Das heißt, das neue Heilmittel-Formular 13 wird die bis dahin geltenden Formulare 13 (Physio/Podo), 14 (Logo) und 18 (Ergo/Ernährung) ersetzen.

Eine Vordruckerläuterung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kann man sich hier herunterladen

Das neue Formular soll ab 1. Oktober 2020 bundesweit gelten. Vermutlich wird es rechtzeitig Regelungen zu Übergangsfristen etc. geben. Wir werden Sie darüber informieren.

Der neue § 13a führt die zukünftige Möglichkeit einer Blanko-Verordnung ein. Der Arzt verordnet hier lediglich auf Grundlage einer Diagnose nach § 125a SGB V Heilmitteltherapie. Der Heilmittelerbringer entscheidet dann selbstständig über Auswahl und Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten. Die Verordnung ist maximal 16 Wochen, bei Podologie 40 Wochen ab Verordnungsdatum gültig. Die möglichen Diagnosen in deren Rahmen eine Blankoverordnung möglich ist, werden in den Verträgen nach § 125a SGB V vereinbart, sprich werden Teil der Versorgungsverträge mit den Krankenkassen (Rahmenverträge).

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Eine Überarbeitung der Richtlinie über die Verordnung von Heilmitteln in der vertragszahnärztlichen Versorgung (HeilM-RL ZÄ) läuft bereits. Es ist anzunehmen, dass die Regelungen der Heilmittel-Richtlinie in ähnlicher Form auch für die zahnärztliche Versorgung angepasst werden. Eine Beschlussfassung ist für Mai 2020 vorgesehen.