Rechtsform mit Bedacht wählen

Unabhängig von der Organisationsform muss die Frage der Rechtsform der neuen Praxis geklärt werden. Diese Rechtsform werden Sie wahrscheinlich viele Jahre beibehalten. Aus ihr ergeben sich eine ganze Reihe von Formalien: Sie bestimmt zum Beispiel, welche Steuern Sie künftig zahlen müssen oder wie hoch der Gründungs- und Folgeaufwand ist.  Hier können Sie sich einen Überblick über die verschiedenen Rechtsformen verschaffen.

Die endgültige Entscheidung sollten Sie mit Ihrem (Steuer-)Berater klären, zu welcher Rechtsform er rät, warum er dies tut und mit welchen Kosten diese Wahl verbunden sein wird.

Einzelpraxis

Die Einzelpraxis ist die gängigste Rechtsform bei der Existenzgründung in der Heilmittelbranche. Hier arbeiten Therapeuten als sogenannte Freiberufler. Selbstständige Freiberufler werden nicht als Gewerbetreibende angesehen und bleiben so von zahlreichen Steuern verschont.

Für Freiberufler gelten vereinfachte Regeln bei der Buchhaltung und Gewinnermittlung. Hier reicht eine Einnahme-Überschussrechnung.

In einer Einzelpraxis haftet der/die Praxisinhaber/in mit Privat- und Geschäftsvermögen. Der Inhaber hat die freie Wahl des Praxisnamens, solange es keine Irreführung ist. Ein Phantasiename ist zulässig, jedoch muss zumindest der Nachname des Inhabers enthalten sein.

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Eine GbR eignet sich für Praxis- und sonstige Zweckgemeinschaften. Eine GbR ist eine Personengesellschaft und bringt steuerliche Vorteile: Es wird keine Gewerbesteuer fällig und es reicht eine Einnahmen-Überschussrechnung für die Gewinnermittlung aus.  Nachteile einer GbR: Es gibt keine Haftungsbegrenzung. Jeder Gesellschafter haftet mit seinem Privatvermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Auch entsteht keine eigene Rechtspersönlichkeit: Handeln können immer nur alle Gesellschafter gemeinsam. So steht zum Beispiel im Mietvertrag die GbR mit jedem einzelnen Gesellschafter. Das macht eine Veränderung der Gesellschafterstruktur vergleichsweise kompliziert. Die Gründung einer GbR ist einfach und formfrei. Der Gesellschaftsvertrag muss nicht einmal schriftlich aufgesetzt werden.

Der Firmenname muss sämtliche Nachnamen der Gesellschafter und mindestens einen ihrer Vornamen enthalten. Der Zusatz „GbR“ ist nicht zwingend, aber empfehlenswert.

Partnerschaftsgesellschaft – GbR mit dem Vorteil der beschränkbaren Haftung

Die Partnergesellschaft ist eine speziell für Freiberufler entwickelte Gesellschaftsform. Sie ist wie die GbR eine Personengesellschaft, so dass die Vorteile der Freiberufler-GbR gelten (Einnahmen-Überschussrechnung, keine Gewerbesteuer u.ä.), nicht aber die Nachteile: Die Haftung ist beschränkbar, und die Partnergesellschaft tritt als eigenständige Gesellschaft auf. Sie kann zum Beispiel als Gesellschaft die Zulassung bei einer Krankenkasse erhalten – im Gegensatz zu einer GbR, bei der die Zulassung immer an die einzelnen Gesellschafter gebunden ist. Das macht eine Veränderung der Gesellschafterstruktur vergleichsweise einfach. Die Gesellschaftsform der Partnergesellschaft eignet sich gut für Gemeinschaftspraxen.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Um eine GmbH zu gründen benötigt man ein Mindestkapital von 25.000 Euro und ist gewerbesteuerpflichtig. Man muss seine Ausgaben und Einnahmen mit einer Bilanzaufstellung darstellen. Die GmbH muss ins Handelsregister eingetragen werden. Es gibt einen vertraglich bestellten Geschäftsführer, welcher kein GmbH-Gesellschafter sein muss. Die Haftung ist auf das Stammkapital der Gesellschaft beschränkt.

Der Name muss unterscheidbar und nicht irreführend sein und den Zusatz GmbH tragen.

Um es kurz zu machen: Für eine Praxis sollte man die GmbH als Rechtsform nicht wählen! Gründungsaufwand und Folgekosten sind hoch (zum Beispiel doppelte Buchführung, Bilanzierung, steuerliche Belastung). Die verlockend klingende „beschränkte Haftung“ bleibt gerade bei Existenzgründern eine Fiktion, denn Geldgeber werden immer auf eine persönliche Haftung des Geschäftsführers bestehen. Vorteile der GmbH sind für den Therapeuten nicht zu erkennen.